Chorfreizeit des Unterstufenchors 2004 / Bericht

Ein Bericht von Anna Novák
Chorfreizeit der 5. Klassen
oder: "Schlafen??? Wozu?"

Bevor ich mit einem Bericht beginne, sollte ich erst einmal die typischen Merkmale eines Fünftklässlers erläutern:
Schüler der 5. Klasse...
...haben unglaublich viel Energie (mehr dazu später!)
...haben ein besonderes Talent dazu, sich zu verletzen
...haben sehr laute Stimmen (sowohl im Chorgesang, als auch beim Reden, Frühstücken, Laufen, Tischfußballspielen, Mittagessen, Abendessen, Spielen, ...)
...haben immer tonnenweise Süßigkeiten dabei
...haben es nicht so mit der Ordnung
...sind aber zum Großteil ganz liebe Personen.

Der Unterstufenchor des Gymnasiums fährt meist einmal im Jahr für ein Wochenende in die Jugendherberge nach Grävenwiesbach, wo dann die Intensivproben für das aktuelle Chorprojekt (diesmal "Knasterbax und Siebenschütz") durchgeführt werden. So auch dieses Jahr vom 14. bis zum 16. Mai.

Chorfeizeit - das bedeutet: 3 Tage ohne Eltern, Geschwister und Haustiere. 3 Tage Singen und Proben. 3 Tage Überleben in der Wildnis (mehr oder weniger). 3 Tage Jugendherbergsessen... Eine Chorfreizeit heißt aber auch: 3 Tage mit den besten Freunden, 3 Tage Spaß und 2 schlaflose Nächte. Vielleicht fangen wir gerade bei den Nächten an. Nachdem am Tag hauptsächlich Rollen verteilt (bei 80 Kindern, die einen Part im Stück übernehmen wollen keine leichte Aufgabe) und Lieder eingeübt wurden, haben die Fünftklässler in der ersten Nacht noch sehr viel Energie - Es wird geredet, gegessen, geredet, es werden heimliche Treffen vereinbart, es wird geredet, gelacht, gespielt - und das alles, obwohl man doch eigentlich schlafen sollte!? Glücklicherweise sehen die Meisten früher oder später ein, dass es sinnvoll ist, doch wenigstens ein bisschen Schlaf zu bekommen, da am nächsten Morgen wieder früh mit den Proben begonnen werden soll, und so legt sich bald, nach ein paar Bestechungsaktionen seitens der Betreuer ("Okay, ich gebe eure Briefchen an das nächste Mädchenzimmer weiter - wenn ihr dann still seid!"...) Stille über die Jugendherberge...

6.15 Uhr am nächsten Morgen... Laut schallt "YMCA" über den Flur... Jungs rennen umher und reißen mit Musik und Schreien die Tür des benachbarten Mädchenzimmers auf: "AUFSTEHEN!!!" Spätestens um 7.30 Uhr ist auch das letzte Kind aus seinem Bett gekrabbelt, in der Jugendherberge geht es zu wie in einem Bienenstock. Wild stürzt sich jeder auf das Frühstück... Dann noch eine kurze Pause - und los geht's. Herr Glotzbach verteilt Rollen, Herr Weinbrenner singt mit dem Chor, und die anderen Betreuer gehen mit den Personen, die schon eine Rolle haben, die Texte durch. Oft ist die Arbeit mühsam und anstrengend, aber schon zum Mittagessen hat der Chor einen Großteil der Lieder drauf und die Darsteller üben fleißig an ihren Rollen und lernen Texte auswendig. Mittagspause: Endlich Zeit zur Lieblingsbeschäftigung aller Jungen: Fußball... Das Wetter ist toll, und so haben die Fußballer auf der naheliegenden Wiese sehr viel Spaß beim Bolzen. (Fragt sich nur - wer hat gewonnen? Herr Weinbrenner oder die fitten Fünfer-Jungs?) Es geht weiter. Proben, proben, proben. Die Chorstücke werden immer besser und mittlerweile gibt es auch schon die ersten szenischen Proben der Darsteller. Es wird Abend. Nach dem Abendessen finden sich alle Kinder im großen Probenraum ein - bunter Abend, das heißt: Spiele und Party... Alle amüsieren sich prächtig, und es gibt sogar noch eine spannende Neuigkeit: Es soll eine Nachtwanderung geben! Aufgeregt und teilweise auch ein bisschen ängstlich machen sich alle gegen 22.30 Uhr auf in den Wald. Erst noch ziemlich vorlaut, wird es langsam auch den mutigsten Jungs ein bisschen mulmig. (Ein Teil der Kinder geht schon vorzeitig mit Herr Glotzbach [Ob der wohl Angst hatte?] zurück in die sichere Jugendherberge.) Mit ernster Miene und tiefer Stimme erzählt Herr Weinbrenner von einem niedergebrannten Haus und einem wahnsinnigen Mann... ...um darauf hin mit einem überraschenden Schrei die versammelte Mannschaft furchtbar zu erschrecken! Ein besonderes Highlight ist auch der im Wald platzierte, gefährlich geschminkte Herr aus dem Oberstufenchor, der, zurück in der Herberge, erst noch einmal einen Rundgang durch die Zimmer machen muss, um zu zeigen, dass er eigentlich ein ganz Lieber ist.
Und wieder wären wir bei dem Thema "Schlafen? Wozu?". Selbst nach diesem anstrengenden, furchteinflößenden Marsch durch den Wald haben die Fünftklässler noch eine unglaubliche Energie. An Schlaf ist doch nicht zu denken, wenn man gerade so etwas tolles erlebt hat! Noch bis 1.30 Uhr huschen Mädels und Jungs auf dem Flur herum... (Natürlich immer unter dem Vorwand, auf dem Weg zu Toilette zu sein!)

Sonntag Morgen: Das nächtliche Abenteuer hinterlässt seine Spuren. Eine beinahe beängstigende Stille herrscht beim Frühstück - man ist selbst zum Sprechen zu müde. Dies merkt man auch bei der anschließenden Chorprobe. Lauter kleine, müde Gestalten sitzen auf ihren Stühlen und singen (oder versuchen es zumindest - nach so einer Nacht ist der Großteil der Fünfer furchtbar heiser). Dann die nächste große Herausforderung: Packen. Glücklicherweise schaffen das alles ohne große Schwierigkeiten - 50% des Kofferinhalts waren Proviant, also ist jetzt wieder Platz für Klamotten und Waschzeug. Bis allerdings der Herbergsvater mit den leergeräumten Zimmern zufrieden ist, ist es noch ein langer Weg. Ein Haufen Fünftklässler hat weder das Bett gemacht, noch den Müll unter dem Fenster weggeräumt... Nun noch eine letzte Probe - Gesamtdurchlauf. Alle Lieder werden noch mal gesungen und dann gibt es Wunschkonzert. Plötzlich ist der Chor wieder in alter Stärke dabei - Wunderschön laut und klar singen alle 80 Kinder "Let it be". Herr Glotzbach zieht Bilanz: "Wir haben eine Menge geschafft, die Rollen sind gut besetzt - das wird eine ganz tolle Aufführung!"

Dann geht es mit dem Bus ab gen Heimat. Müde, aber zufrieden machen sich alle auf den Weg nach Hause... ...in ihr Bett!

Fortsetzung folgt: vom 18.Juni bis 20.Juni 2004 wenn es wieder heißt "Chorfreizeit der 6.Klassen" - oder: "Glotzbach sucht den Knasterbax"