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Weilburger Tageblatt vom 23. September 2006
"Requiem" in der Schlosskirche
Junge Sänger bewältigen Brahms sicher
Weilburg. (red). Mit dem "Deutschen Requiem" von Johannes Brahms hat sich der Weilburger Philippinum-Chor unter der Leitung von Michael Glotzbach an ein schwieriges Werk der Chorliteratur gewagt. In einer bewegenden Aufführung bewiesen in der Schlosskirche alle Mitwirkenden eindrucksvoll, dass sich die Gesangsleistung des Chores auf hohem Niveau bewegt.

"Ich habe nun meine Trauer niedergelegt und sie ist mir genommen, ich habe meine Trauermusik vollendet als Seligpreisung der Leidtragenden", schrieb Johannes Brahms einem Freund, bevor das von ihm komponierte und konzipierte Requiem nach Worten der Heiligen Schrift im Februar 1869 im Leipziger Gewandhaus das erste Mal in voller Länge erklang.

Anlass zur Beschäftigung mit dem Werk hatten Brahms persönliche Leidens- und Trauererfahrungen gegeben, da er sowohl mit dem Tod seiner Mutter als auch dem seines engen Freundes und Förderers Robert Schumann konfrontiert wurde.

Seine Trauer verarbeitete der junge Komponist in einer Totenmesse, die textlich und musikalisch einzigartig und schwerlich mit anderen Requien vergleichbar ist.

Brahms hält sich in seinem Requiem nicht an die für lateinische Totenmessen übliche kirchliche Liturgie, sondern bricht mit dieser jahrhundertealten Tradition, in dem er alt- und neutestamentliche Passagen der Bibel auswählt und vertont. Junge Sänger sind dem Werk auch musikalisch gewachsenDer Chor zeigte schon mit seinem ersten Einsatz, dass er diesem sängerisch äußerst anspruchsvollen Werk nicht nur stimmtechnisch, sondern auch musikalisch gewachsen war.

Die jungen Sängerinnen und Sänger bewegten sich scheinbar mühelos in höchsten Stimmlagen und es gelang ihnen, stets die musikalische Spannung aufrechtzuerhalten. Besonders bemerkenswert waren hierbei die heiklen A-cappella-Passagen, in denen der Zuhörer einen abgerundeten Chorklang erleben konnte. So gelang den jungen Musikern ein ergreifendes Konzert.

Einen großen Anteil an daran hatte auch das Weilburger Orchester, das sehr ausdrucksstark und spannungsgeladen musizierte. Selbst die zahlenmäßig eher kleine Besetzung der Streichergruppe machte sich Dank des engagierten Spiels praktisch nicht bemerkbar.

Begeisterung lösten auch die Solisten aus. Der Bariton Thomas Peter gefiel durch warme Stimmgebung und ausdrucksstarken Vortrag.

Sopranistin Katja Bördner, ehemalige Schülerin des Gymnasiums und nun Sängerin an der Oper Graz, zeigte Klangfülle und ein hervorragendes Zusammenspiel mit dem Chor in der Arie "Ihr habt nun Traurigkeit".

Nach Verklingen des letzten Tones erhielten Chor, Solisten, Orchester und der leitende Michael Glotzbach (sowie Martin Weinbrenner für die Mitarbeit bei der Einstudierung) Blumen und vom Publikum minutenlangen Applaus.


Der Philippinum Chor Weilburg mit dem Weilburger Orchester unter der Leitung von Michael Glotzbach.