Nach Oscar Wilde | Das Gespenst von Canterville

08. und 09. März 2007 | Stadthalle Weilburg | jeweils 20.00 Uhr
Ein Musical nach der gleichnamigen Erzählung von Oscar Wilde
Das Gepenst von Canterville
Mittelstufenchor des Gymnasium Philippinum Weilburg
Leitung: Michael Glotzbach, Martin Weinbrenner, Dorothea Sterlepper
Eine Aufführung des Gymnasium Philippinum Weilburg.
Veranstalter: Konzertverein des Gymnasium Philippinum Weilburg e.V.

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Mit dem Musical "Das Gespenst von Canterville" nach der gleichnamigen Erzählung des britischen Schriftstellers Oscar Wilde ist dem Mittelstufenchor des Gymnasium Philippinum Weilburg eine Bühnenaufführung gelungen, die in jeder Hinsicht die Erwartungen an eine Schulaufführung übertroffen hat. Mit großem Aufwand verwandelten die 90 Mitwirkenden der siebten bis zehnten Klassen die Weilburger Stadthalle zwei Stunden lang in ein englisches Schloss, in dem der Geist von Sir Simon de Canterville sein Unwesen treibt - bis die amerikanische Botschafterfamilie Otis einzieht und den Spieß umdreht.

Generationen von Bewohnern hat der Geist in die Flucht geschlagen, doch für Geistergeschichten haben der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis (Kristian Agsten), seine Frau (Simone Hermann, Julia Orzeszko) und seine vier Kinder wenig Sinn. Die Familie zieht ein und lässt sich weder von dem großen Blutfleck noch von dem nächtlichen Kettenrasseln beeindrucken. Der Blutfleck wird einfach mit "Pinkertons Fleckenreiniger" entfernt, und für die quietschenden Ketten stellt die Familie Kettenöl bereit. Und schließlich lassen sich die frechen Otis-Zwillinge (Philipp Deuster, Felix Heinz, Akima Ringsdorf und Lynn Weinbrenner) besondere Gemeinheiten einfallen: Das Gespenst stolpert nachts über die gespannten Fäden, rutscht auf Butterfallen aus oder bekommt einen Krug voll Wasser ab. Doch eines Tages entdeckt die Tochter Virginia (Samantha Gaul, Amelie Waldhauer) den Verschlag, in dem das inzwischen völlig zermürbte Gespenst haust und betet zusammen mit ihm um Vergebung seiner Sünden, auf das es Erlösung und ewigen Frieden finde.

Überzeugt hat nicht nur der Mittelstufenchor, der einmal als Feiergesellschaft, das andere Mal als Geistergesellschaft nicht nur mit Gesang, sondern auch mit Spiel und Tanz die Massenszenen mitreißend umsetzten konnte. Auch bei der Besetzung der Einzelrollen hatte Michael Glotzbach, der die Aufführung leitete, durchweg ein glückliches Händchen. Hervorzuheben ist allen voran Jochen Emmerich, dem es glänzend gelang, das altersschwache Schlossgespenst und dessen Entrüstung, Verzweiflung und wilde Rachegelüste zu verkörpern. Glänzend war genauso Kristian Agsten als Botschafter Hiram B. Otis. Insbesondere in gesanglicher Hinsicht stach Samantha Gaul als einfühlsame Tochter Virginia hervor, die mit erstaunlich weit entwickelter Stimme für die Erlösung des Gespenstes sang. Hervorzuheben sind auch die schauspielerischen und gesanglichen Leistungen von Julian Kremers als Butler, Brigitte Schröder und Ronja Riemenschneider als dessen Gattin, Julian Baumann als Washington, ältester Sohn des Botschafters, und Eva Rydzkowski und Nina Bartzsch als ängstliche Haushälterin. In weiteren Rollen waren Robin Graf, Franziska Kemperdiek, Sabrina Friedrich, Nicole Welsch, Daniel Fritsch und Martin Wissig zu sehen.

Beeindruckend war nicht nur das Geschehen auf der Bühne, sondern auch mit welchem außergewöhnlichen Engagement die Schule ihre Aufführungen auf die Beine stellt. Die beliebte Erzählung von Oscar Wilde hatte zunächst Michael Glotzbach in eine theatertaugliche, zweistündige Fassung umgeschrieben und sämtliche Musik hierzu selbst komponiert und getextet. Gemeinsam mit Martin Weinbrenner wurden die Stücke mit großem Zeitaufwand neben dem alltäglichen Schulbetrieb eingeübt. Viele Rollen wurden doppelt besetzt, so dass an beiden Abenden zum Teil verschiedene Schüler in den Hauptrollen zu sehen waren. Zur Vorbereitung für den Chor wurde Ende Januar eine dreitägige Chorfreizeit organisiert. Das aufwendige Bühnenbild wurde unter der Leitung von Dorothea Sterlepper erstellt, und eine ganze Reihe von Schülern insbesondere der Oberstufe sorgte hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf der Aufführung.

In Zeiten der Bildungsdiskussion setzt das Weilburger Gymnasium damit auch auf musikalische und kulturelle Bildung, die gleichermaßen Kreativität und Gemeinschaftssinn der Schüler fordert und entwickelt. Daß sich diese Arbeit lohnt und das Weilburger Kulturleben bereichert, ließ sich nicht nur am Geschehen auf der Bühne ablesen, sondern auch am lang anhaltenden Applaus des Weilburger Publikums erkennen, wenn auch am ersten Tag die Stadthalle ein wenig spärlich besetzt war.