Presse

Weilburger Tageblatt vom 30.05.2007, S. 16

Chor und Orchester begeistern unter der Leitung von Michael Glotzbach
Gymnasium glänzt in der Kirche
Von Frank Sittel. Musikalische Erziehung geschieht im Weilburger Gymnasium Philippinum seit eh und je in Verbindung mit herausragenden musikalischen Aufführungen. Das war auch der Fall, als Chor und Orchester unter der Leitung von Oberstudienrat Michael Glotzbach am Pfingstsonntag mit Arvo Pärts Te Deum, Wolfgang Amadeus Mozarts Flötenkonzert G-Dur und Antonio Vivaldis Gloria D-Dur in der vollbesetzten Weilburger Schlosskirche einige Hauptwerke sakraler Musik glanzvoll interpretierten.

Ausführende waren Gina Gaul (Querflöte), Eileen Genzlinger, Julia Hess, Viktoria Nühnen, Nadine Schuster, Johanna Sterlepper, Marit Trantel und Marion Zwengel (Solisten), das Weilburger Orchester und der Philippinum Chor Weilburg (Einstudierung: Martin Weinbrenner, Michael Glotzbach).

Im Zusammenhang mit der Aufführung des Te Deum des 1935 in Estland geborenen Komponisten Arvo Pärt, sei die Frage gestellt, welche lebenden, ausgewiesenen Komponisten trotz des desolaten Zustandes, in dem sich die sakrale Musik vielerorts befindet, sonst noch für die Kirche schreiben? In einer Zeit, in der viele Maßstäbe im sozialen Gefüge und in Glaubensdingen verloren gegangen sind, ist der massive Einbruch eines kindisch-seichten Musikidioms in der Musik der Kirche nicht mehr zu überhören, und wer ihm entgehen und seelische Verrenkungen vermeiden will, wird sich auf eine lange Suche begeben müssen. Arvo Pärts großartiges Te Deum für Solo, Chor und Orchester gründet auf der Einsicht, dass Gott kein Anfang und kein Ende hat. Es ist ein Werk der Stille, der Demut, dessen Einfachheit und Schlichtheit das Fehlen des Anfangs und des Endes wieder ausgleicht. Junger Chor mit reicher Palette aus frischer Farbigkeit und SingfreudeBei den Melodien, die vielfach dem Gregorianischen Choral entnommen sind, handelt es sich um eines der kostbarsten Elemente der geistlichen und liturgischen Musik. Der Komponist verwendet sie, indem er sie oftmals verändert, sie werden durch das Prisma seiner musikalischen Sprache gebrochen, die melodische Kontur wandelt sich, er harmonisiert und rhythmisiert sie auf seine Weise und lässt sie mit Hilfe neuer Farben erstrahlen.

Ob Schüler oder Studenten, Konzerte des schulischen Nachwuchses genießen und bedürfen im allgemeinen eines gehörigen Maßes an Konzessionen von Seiten des ihm verbundenen Publikums. Auf diese Art Taktgefühl brauchten sich die Ausführenden unter ihrem souveränen musikalischen Leiter Michael Glotzbach freilich nicht zu verlassen, machten die Solisten, Instrumentalisten wie Choristen den Eindruck der Professionalität. Mehr noch, im Vergleich zu mancher soliden philharmonischen Chorformation entwickelten die jungen Sängerinnen und Sänger eine überaus reiche Palette aus frischer Farbigkeit und Singfreude. Die vorbildlich geleistete stimmbildnerische Arbeit gewährleistete eine bemerkenswerte Elastizität und Homogenität des Klanges und eine reine Intonation. Musikalische Spannungsbögen wurden erfreulich dicht und natürlich, ohne Suche nach dem Effekt, entwickelt.

Anerkennung und Respekt darf man für die Wiedergabe des Konzerts für Flöte und Orchester in G-Dur (KV 313) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) bekunden. Die junge Gina Gaul (Querflöte) ist Schülerin des Gymnasiums Philippinum und Soloflötistin im Landesjugendorchester Hessen sowie Preisträgerin im Bundeswettbewerb Jugend musiziert (2006). Sie und das Orchester haben das dreisätzige Werk unter der Leitung von Michael Glotzbach mit bewundernswerter technischer und sensibler emotionaler Einfühlung bewältigt und zu eindringlicher, beispielhafter Aufführung gebracht. Sehr berührt hat das intensive Engagement der Soloflötistin. Es war eine authentische Interpretation des expressiven Werks.

Antonio Vivaldi (1678-1741) gehörte nicht nur zu den großen universalen Künstlern seiner Zeit, sondern auch zu den bedeutendsten Anregern des Jahrhunderts. Mit Recht zählt das Gloria D-Dur für zwei Soli, Chor und Orchester zu den bekanntesten Werken, denn der Beitrag der Orchesterinstrumente, um eine alles überstrahlende Trompete erweitert, ist in diesem Werk besonders reichhaltig ausgefallen. Die Wiedergabe dieser beachtlichen sprachlichen und stimmtechnischen Aufgabe bewältigten Solisten, Chor und Orchester mit großer Souveränität, die uneingeschränkter Bewunderung würdig ist. Ein Faszinosum für Solisten, Chor, Orchester und den musikalischen Leiter Michael Glotzbach gleichermaßen.

Für die respektablen und glanzvollen Interpretationen der großen Werke bedeutender Meister dankten die Besucher mit anhaltendem Beifall.


Riesenbeifall für alle Aufführenden gab es zum Schluss. Besonders beklatscht wurden
Michael Glotzbach (links) und Martin Weinbrenner. Foto: Henss.


Gina Gaul brillierte mit Mozarts Flötenkonzert G-Dur.